Familie Dennhardt

Neue Erkenntnisse über Selma Dennhardt geb. Freudenthal: ein Gesicht, ein Grab, eine Geschichte

Im Frühjahr 2025 hatte ich auf meinem Blog über das bewegende Schicksal der jüdischen Selma Dennhardt, geb. Freudenthal, berichtet: geboren 1887 in Altenkunstadt, deportiert 1945 aus Leipzig ins Ghetto Theresienstadt, befreit im Mai desselben Jahres. Ihr weiteres Leben nach der Shoa war mir zu diesem Zeitpunkt ein Rätsel – ebenso wie ihr Todesdatum oder ein möglicher Grabstein.

Dank einer sehr berührenden E-Mail von Olaf Gaebler, einem Leipziger, dessen Mutter in den 1960er-Jahren zur Untermiete bei der verwitweten Selma Dennhardt in der Lützner Straße 17 wohnte, konnte ich nun viele dieser Fragen beantworten. Herr Gaebler teilte nicht nur seine Kindheitserinnerungen an seine „Vize-Omi Selma“, sondern übermittelte mir auch alte Fotos, auf denen Selma zu sehen ist – u. a. bei der Hochzeit seiner Eltern im Jahr 1965, mutmaßlich als Trauzeugin. Weitere Fotos aus der damaligen Wohnung existieren ebenfalls.

Ich bin Herrn Gaebler sehr dankbar dafür, dass er mir dadurch geholfen hat, Selma Dennhardt ein Gesicht zu geben. Denn ich finde es wichtig, dass Menschen wie sie nicht nur als Nummern in NS-Transportlisten oder als Einträge in Online-Datenbanken erscheinen. Sie waren reale Menschen mit Beziehungen, Alltag, Erinnerungen und – wie hier – mit echten Spuren im Leben anderer.

Vom Stadtarchiv Leipzig habe ich mir den standesamtlichen Eheregistereintrag von Otto Walter Dennhardt und Selma Freudenthal vom 15. September 1913 schicken lassen. Darin findet sich ein weiteres dunkles Zeugnis der damaligen Zeit: Gemäß der „Zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ vom 17. August 1938 wurden alle deutschen Juden verpflichtet, zusätzlich Israel bzw. Sara als Vornamen zu führen. So auch Selma Dennhardt: „Leipzig, den 10. Februar 1939. Die Nebenbezeichnete führt zusätzlich den Vornamen Sara.“ In den Transportlisten von Theresienstadt erscheint sie folgerichtig auch stets als „Selma Sara Dennhardt“. Erst Jahrzehnte später, als ihr Mann Walter 1963 stirbt, wird ergänzt: „Der Randvermerk vom 10. Februar 1939 wird hiermit gelöscht, da die zugrunde liegende Verordnung vom 17. August 1938 aufgehoben worden ist.“

Zusätzlich erhielt ich Rückmeldung von der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. Laut Auskunft aus dem Archiv war Selma bis zu ihrem Tod Mitglied der Gemeinde. Sie wurde am 3. Juni 1976 auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in der Delitzscher Straße beigesetzt. Ihr nichtjüdischer Ehemann Walter Dennhardt, mit dem sie seit Jahrzehnten in der Lützner Straße gelebt hatte, war bereits am 19. Dezember 1962 verstorben und liegt auf demselben Friedhof begraben. Die standesamtlichen Sterberegistereinträge der Eheleute Dennhardt liegen mir mittlerweile auch vor.

Inzwischen konnte ich die Grabstätte von Selma und Walter Dennhardt auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Leipzig tatsächlich besuchen. Es existiert ein gemeinsamer Grabstein, dessen Inschrift gut erhalten ist. Dieser Besuch war für mich ein sehr bewegender Moment und ein stilles Innehalten an einem Ort, der Selmas Geschichte ein konkretes Ende verleiht.

Wer mehr über Selmas Leben, ihre Herkunft und ihre Deportation nach Theresienstadt erfahren möchte, findet hier den ursprünglichen Beitrag: ➡️ Das Schicksal der jüdischen Selma Dennhardt, geb. Freudenthal

Jetzt bleibt nur noch eine Frage übrig: Hatten Walter und Selma Dennhardt Kinder? Gibt es Nachfahren? Ich würde mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen!

Hast du auch schon einmal durch Zufall neue Verbindungen in deiner Familienforschung entdeckt? Oder hast du ebenfalls jüdische Schicksale erforscht? Ich freue mich über jede Rückmeldung in den Kommentaren!

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