Wer sich mit der Ahnenforschung im Kursachsen des 18. Jahrhunderts beschäftigt, stößt unweigerlich auf eine schier endlose Reihe von „Johanns“. Johann hier, Johann da – manchmal hat man das Gefühl, ganz Sachsen hieß damals Johann. Und als wäre das noch nicht verwirrend genug, kommt oft noch ein zweiter Vorname hinzu, der sich ebenfalls in Endlosschleife wiederholt. Ein Paradebeispiel aus meiner eigenen Forschung: In meiner Datenbank finden sich sage und schreibe zwölf verschiedene Männer namens Johann Gottfried Dennhardt – und weitere dreizehn, die Johann Gottlieb Dennhardt heißen. Da fragt man sich unweigerlich: Wie haben die sich damals überhaupt auseinandergehalten?
Die inflationäre Nutzung dieses Namens hat historische Gründe: Johann war nicht nur einer der beliebtesten Vornamen jener Zeit, sondern hatte auch eine religiöse Bedeutung. Die Kurzform stammt von „Johannes“ ab und bedeutet im Hebräischen: „Der Herr ist gnädig.“ Viele Kinder erhielten ihn als Erstnamen zu Ehren von Johannes dem Täufer oder Johannes dem Evangelisten. Doch der eigentliche Rufname war häufig der zweite Vorname – was die Identifikation für uns Genealogen nicht unbedingt erleichtert.
Wenn also in den Kirchenbüchern wieder einmal reihenweise „Johann Friedrich“, „Johann Christoph“ und „Johann Georg“ auftauchen, ist das kein Zufall, sondern gängige Praxis gewesen. Vielleicht sollte man in historischen Quellen die Johanns einfach geistig ausklammern und sich direkt auf den zweiten Namen konzentrieren? – Leider hilft das auch nicht immer: In meiner Datenbank gibt es tatsächlich zwei Brüder, die Johann Gottfried Dennhardt und schlicht Gottfried Dennhardt heißen …
Und als wäre das nicht genug, trifft dasselbe Prinzip auch die Frauenwelt! Die drei Schwestern meines 7×Ur‑Großvaters hießen Anna Rosina, Anna Sabina und Anna Regina Dennhardt. Man kann sich bildlich vorstellen, wie die Mutter vor der Haustür stand und „Anna!“ rief – woraufhin drei Töchter gleichzeitig fragten: „Welche?“
Mich würde interessieren: Welcher Vorname ist euch in eurer eigenen Familienforschung besonders oft begegnet? Vielleicht haben eure Ahnen ihr ganz eigenes „Johann“- oder „Anna“-Phänomen? Schreibt es mir in die Kommentare!
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