Familie Dennhardt

„Nachts weinen die Soldaten“ – das viel zu kurze Leben des Emil Arno Dennhardt

Foto von Emil Arno Dennhardt, daneben ein Scan der Verlustliste deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg mit einer Notiz über seinen Tod

Am 8. März 1885 erblickt mein Ururgroßvater  Emil Arno Dennhardt im mittelsächsischen Waldheim das Licht der Welt. Als Sohn des Fabrikarbeiters  Carl Emil Dennhardt und der Handarbeiterin  Christiane Pauline Findeisen wächst er in einfachen, aber geordneten Verhältnissen auf. Sein Leben wird geprägt sein von harter Arbeit, familiärem Glück, aber auch von tragischen Schicksalsschlägen.

Ein harter Start ins Leben

Schon in jungen Jahren muss Emil Arno lernen, mit schweren Verlusten umzugehen: Am 6. Mai 1898 – nur zwei Monate nach seinem 13. Geburtstag – nimmt sich sein Vater das Leben. Der Selbstmord des Vaters hinterlässt tiefe Spuren in der Familie und zwingt den jungen Emil Arno, früh Verantwortung zu übernehmen.

Trotz des schweren Schicksalsschlags findet er seinen Weg und arbeitet als Zigarrensortierer in der Zigarrenfabrik Pause, Reinhard & Leonhardt in Waldheim. In dieser Zeit beginnt er, sich ein eigenes Leben aufzubauen, und findet schließlich sein Glück in der Liebe.

Familienglück und Verantwortung

Im Oktober 1907 heiratet Emil Arno die aus Meinsberg stammende  Alma Lina Otto. Das Paar gründet eine Familie und zwischen 1908 und 1913 kommen fünf gemeinsame Kinder zur Welt. Die Familie lebt in bescheidenen, aber liebevollen Verhältnissen – doch die glücklichen Jahre sollen nicht von Dauer sein.

Der Erste Weltkrieg – der dunkle Wendepunkt

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wird Emil Arno als Ersatz-Reservist der 9. Kompanie des Infanterie-Regiments 139 eingezogen und muss seine Frau Lina und die fünf Kinder verlassen. Im Dezember desselben Jahres wird er nach Frankreich an die Front geschickt. Zu diesem Zeitpunkt ist Lina erneut schwanger – das sechste Kind ist unterwegs.

Nachts weinen die Soldaten,
namenlose Tränen im Gesicht.
Nachts weinen die Soldaten,
nur noch Nummern ohne ein Gewicht.

Aus: „Nachts weinen die Soldaten“ von Saltatio Mortis

Der Krieg ist erbarmungslos. Am 12. Mai 1915, nur vier Tage nach seinem 30. Geburtstag, findet Emil Arno Dennhardt sein tragisches Ende. In den Schützengräben vor l’Épinette, einer kleinen Siedlung zwischen Lille und Armentières, trifft ihn eine Kugel in den Kopf. Auf dem Weg zum Truppenverbandplatz erliegt er seinen Verletzungen.

Im „Waldheimer Heldenbuch“ wird er als „braver, pflichttreuer und beliebter Soldat“ beschrieben – doch für seine Familie ist er vor allem eines: ein geliebter Ehemann und Vater, der viel zu früh aus dem Leben gerissen wird.

Ein Kreuz im Schnee, das Grab eines Soldaten.
Ich frage mich, wer du wohl gewesen bist.
Hast du geprahlt mit deinen Heldentaten?
Warst du verliebt? Und wer hat dich vermisst?

Aus: „Nachts weinen die Soldaten“ von Saltatio Mortis

Ein Vermächtnis, das bleibt

Besonders tragisch ist, dass Emil Arno seinen jüngsten Sohn  Arno Rudolf Dennhardt, meinen Urgroßvater, niemals kennenlernen kann. Er wird am 25. Mai 1915 geboren – zwei Wochen nach dem Tod seines Vaters. Die Witwe Lina bleibt mit sechs kleinen Kindern zurück und muss ihr Leben ohne ihren geliebten Mann meistern.

Emil Arno Dennhardt ruht auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Lambersart nordwestlich von Lille. Sein Grab ist ein stiller Zeuge einer bewegenden Lebensgeschichte, die nicht vergessen werden darf. Hoffentlich kann ich Emil Arnos letzte Ruhestätte irgendwann einmal persönlich besuchen.

Dein weißes Kreuz trägt nicht mal deinen Namen.
„1916“ hat wer drauf gemalt.
Dir half kein Gott, Gebet und auch kein Amen.
Für fremde Rechnung hast du mit Blut bezahlt.

Warst du noch jung, womöglich selbst schon Vater?
Hast du’s gewusst? Dein Kind jemals gesehn?

Aus: „Nachts weinen die Soldaten“ von Saltatio Mortis

Übrigens: Auch Emil Arnos jüngerer Bruder,  Max Walter Dennhardt, kehrt nicht aus dem Krieg zurück. Geboren 1892 in Waldheim, erlernt er das Poliererhandwerk und verlobt sich noch vor Kriegsbeginn mit  Marta Ober aus Hartha. 1915 wird er eingezogen und kämpft in Russland. Nach einer Verletzung am Unterschenkel kehrt er zu seiner Kompanie zurück. Ohne jemals Heimaturlaub erhalten zu haben, fällt er am 21. Juni 1916 in den Kämpfen am Stochod – mit nur 24 Jahren.

Dein weißes Kreuz steht leider nicht alleine.
Wo es heut steht, stehen noch Millionen mehr.
Von den Soldaten blieben nur Gebeine;
vom großen Krieg blieb dieses tote Meer.

Sag mir ganz leis’: Wie ging es zu Ende?
Traf dich ins Herz ein gut gezielter Schuss?

Aus: „Nachts weinen die Soldaten“ von Saltatio Mortis

Hast du selbst Vorfahren, deren Schicksale dich berühren? Teile deine Gedanken und Familiengeschichten gerne in den Kommentaren.

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